Literaturnachweis - Detailanzeige
| Autor/in | Cappellari, Giuseppe |
|---|---|
| Institution | Universität Hohenheim |
| Titel | Inter-regional human capital mobility in the East German public administration and labour market. |
| Quelle | Stuttgart Hohenheim (2025), 166 S.
PDF als Volltext Dissertation, University of Hohenheim, 2025. |
| Zusatzinformation | Forschungsdaten |
| Sprache | englisch |
| Dokumenttyp | online; Monografie |
| Schlagwörter | Fremdeinschätzung; Vertrauen; Motivation; Wissenstransfer; Binnenwanderung; Regionale Mobilität; Migration; Staatlicher Zusammenschluss; Öffentliche Meinung; Beschäftigungseffekt; Finanzverwaltung; Innerbetriebliche Mobilität; Unternehmen; Ökonomische Determinanten; Regionaler Arbeitsmarkt; Brain Drain; Abwanderung; Auswirkung; IAB-Betriebs-Historik-Panel; IAB-Betriebspanel; IAB-Linked-Employer-Employee-Datensatz; Regionale Herkunft; Öffentliche Verwaltung; Beamter; Experte; Finanzbeamter; Deutschland; Deutschland-Östliche Länder; Ostdeutschland; Westdeutschland |
| Abstract | "Humankapital ist eines der am längsten untersuchten Felder der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung. Diese Dissertation umfasst drei empirische Aufsätze zur interregionalen Mobilität von Humankapital in der öffentlichen Verwaltung und in lokalen Arbeitsmärkten. Die Mobilität von Humankapital in der öffentlichen Verwaltung ist ein wirksames Instrument, um die Funktionsfähigkeit der Verwaltung über verschiedene Einheiten und Regionen hinweg durch Wissenstransfers zu verbessern. Im Gegensatz dazu haben Humankapitalverluste durch die Abwanderung qualifizierter Fachkräfte negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung der Herkunftsregionen. Die Kapitel teilen den historischen und institutionellen Hintergrund Ostdeutschlands nach der Wiedervereinigung. Kapitel 2 und 3 untersuchen einen groß angelegten Kapazitätsaufbau in der ostdeutschen Finanzverwaltung durch Abordnungen westdeutscher Mitarbeiter. Kapitel 4 untersucht die Auswirkungen der Abwanderung von Ost- nach Westdeutschland auf Betriebe in Ostdeutschland. Kapitel 2, gemeinsam mit Agustín Faure, Nadja Dwenger und Anna Gumpert, untersucht, wie der Staat Bürokraten motivieren kann, neue Verantwortlichkeiten zu übernehmen. Wir analysieren, wie finanzielle Anreize und Direktiven das Engagement westdeutscher Finanzamt-Mitarbeiter im Rahmen der Kapazitätsaufbau-Maßnahmen in der ostdeutschen Finanzverwaltung nach der deutschen Wiedervereinigung beeinflussten. Auf Basis detaillierter Archivdaten über einzelne Abordnungen entwickeln und schätzen wir ein strukturelles Modell zur Beantwortung der Frage, ob, wo und wie lange sich Mitarbeiter am Kapazitätsaufbau beteiligen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass höhere finanzielle Anreize sowohl die Teilnahmewahrscheinlichkeit als auch die Dauer der Abordnung deutlich erhöhen, während Direktiven insbesondere die Wahl des Einsatzortes beeinflussen. Kontrafaktische Simulationen bestätigen, dass der Wegfall der Direktiven die Teilnahmequoten kaum verändert, jedoch die Kapazitätsaufbau-Maßnahmen deutlich über die ostdeutschen Finanzämter umverteilt. Diese Ergebnisse unterstreichen, dass die richtige Balance zwischen finanziellen Anreizen und Direktiven die Reaktionsfähigkeit der öffentlichen Verwaltung in Phasen strukturellen Wandels erheblich verbessern kann. Kapitel 3, gemeinsam mit Nadja Dwenger, Agustín Faure, und Anna Gumpert, nutzt das institutionelle Setting Ostdeutschlands, um den kausalen Effekt von nicht-lokalen Experten auf die Wahrnehmung und das Vertrauen der Bürger in die öffentliche Verwaltung zu schätzen. Mit Hilfe umfangreicher Umfragedaten und durch Ausnutzung exogener Variation in Abordnungstagen schätzen wir den kausalen Zusammenhang zwischen der Präsenz westdeutscher Experten in ostdeutschen Finanzämtern und der Wahrnehmung der Bürger im jeweiligen Einzugsgebiet. Wir stellen fest, dass nicht-lokale Experten die wahrgenommene Ansprechbarkeit und Serviceorientierung der öffentlichen Verwaltung verringerten, jedoch keine signifikanten Auswirkungen auf die Wahrnehmung von Pünktlichkeit, allgemeiner Zufriedenheit oder Vertrauen hatten. Ein Anstieg der Abordnungstage pro Beschäftigtem um eine Standardabweichung führte zu einem Rückgang der wahrgenommenen Ansprechbarkeit um 0.487 auf einer Skala von 1 bis 7. Dieses Ergebnis interpretieren wir dahingehend, dass Bürger die Verwaltung in Ämtern mit mehr westdeutschen Abordnungstagen als objektiver, aber weniger serviceorientiert wahrnahmen. Obwohl die nicht-lokalen Experten die Funktionsfähigkeit der Finanzverwaltung erhöhten, konnten wir keinen Effekt auf die wahrgenommene Effizienz feststellen. In Kapitel 4 untersuche ich, wie die Binnenwanderung von Ost- nach Westdeutschland die Beschäftigung, Leistung, und das Einstellungsverhalten ostdeutscher Betriebe beeinflusst hat. Im Fokus steht eine massive Abwanderunswelle von Ost- nach Westdeutschland, bei der zwischen 1996 und 2002 über eine Million Menschen nach Westen zuzogen. Ich schätze den kausalen Effekt lokaler Abwanderung nach Westen auf ostdeutsche Betriebe anhand negativer Arbeitsangebotsschocks, wobei ich geografische und zeitliche Variation in Abwanderungsraten nutze. Der kausale Effekt wird durch eine Instrumentvariablenstrategie identifiziert, die auf früherer Migrationsverteilung und dem Wirtschaftswachstum in Westdeutschland basiert. Ein exogener Anstieg der Abwanderung um eine Standardabweichung führt zu einem Rückgang der Beschäftigung junger Arbeitskräfte um 6% und von Arbeitskräften mit komplexen Aufgaben um 3% in einem durchschnittlichen Betrieb. Die betriebliche Leistung, einschließlich Umsatz, Arbeitsproduktivität und Investitionen, wird im Gesamtdurchschnitt nicht signifikant beeinflusst, obwohl größere Betriebe den Arbeitskräftemangel offenbar durch höhere Investitionen in Kapital kompensieren. Zudem ist ein Rückgang offener Stellen für Angestellte in komplexen Tätigkeit zu beobachten. Meine Ergebnisse stimmen mit theoretischen Modellen friktioneller Arbeitsmärkte überein, wonach Abwanderung die Anspannung des Arbeitsmarktes erhöht und Neueinstellungen verringert. Die Ergebnisse dieser Dissertation erweitern das bestehende Wissen über die interregionale Mobilität von Humankapital in unterschiedlichen Kontexten und können nützliche Hinweise für die Ausgestaltung von Kapazitätsaufbau-Maßnahmen und regionalpolitischen Entwicklungsstrategien liefern." Die Untersuchung bezieht sich auf den Zeitraum 1990-2002 (Autorenreferat, IAB-Doku). "Human capital is one of the longest-investigated fields in economic research. This dissertation includes three empirical essays on inter-regional human capital mobility in the public administration and in local labour markets. Human capital mobility in the public administration is a powerful tool to transfer administrative capacity between units and regions via knowledge transfers. On the contrary, human capital losses related to skilled emigration have negative implications for the economic development of the regions of origin. Common to all three chapters is the institutional and historical background of East Germany after the reunification. Chapters 2 and 3 observe a large-scale capacity building effort in the East German tax administration through secondments of West German tax officials. Chapter 4 studies the impact of emigration from East to West Germany on firm establishments in East Germany. Chapter 2, co-authored with Agustín Faure, Nadja Dwenger, and Anna Gumpert, investigates how states can motivate bureaucrats to engage in new responsibilities. We analyze how financial incentives and administrative directives affected bureaucratic engagement in the capacity-building efforts in the tax administration after German reunification. Drawing on detailed administrative records about individual bureaucrats, we develop and estimate a structural choice model of officials' decisions whether, where, and how long to participate in capacity-building. Our results reveal that higher financial incentives substantially increase both participation probabilities and durations, while the administrative directives predominantly steer destination choices. Counterfactual simulations confirm that removing directives barely alters participation rates, but markedly redistributes capacity-building efforts across East German offices. These findings highlight that balancing financial rewards and administrative directives can significantly enhance public administration responsiveness during periods of structural change. Chapter 3, co-authored with Nadja Dwenger, Agustín Faure, and Anna Gumpert, exploits the institutional setting of East Germany to estimate the causal effect of non-local experts on citizens' perceptions of and trust in the public administration. Using rich survey data and leveraging exogenous variation in secondment days, we estimate the causal relationship between the presence of West German experts in an East German tax office and the perceptions of citizens living in the tax office's area. We find that non-local experts reduced the perceived contestability and service orientation of the public administration but did not significantly affect perceptions of timeliness, general satisfaction, or trust. A one standard deviation increase in secondment days per tax office worker decreased perceived contestability by 0.487 on a scale from 1 to 7. We interpret this finding as evidence that citizens perceived the public administration as more objective and less service-oriented in offices with more West German secondment days. Although the non-local experts enhanced administrative capacity, we do not observe any effect on perceived efficiency. In Chapter 4, single-authored, I study how internal migration affected employment, performance, and hiring behaviour among firm establishments in East Germany. I study a large-scale emigration wave from East to West Germany leading to the relocation of over 1 million individuals between 1996 and 2002. I estimate the causal effect of local emigration on establishments via negative labour supply shocks, leveraging variation in emigration rates across districts and time. I retrieve a causal effect through an instrumental variable strategy based on historical migration patterns and economic growth in West Germany. A one-standard-deviation exogenous increase in emigration reduces employment of younger workers by 6% and of workers in complex tasks by 3% in the average establishment. Establishment performance, including revenues, labour productivity, and investment, is not significantly affected in the full sample, although larger establishments appear to compensate for labour shortages through higher capital investment. I also observe a reduction in open vacancies for white-collar positions requiring complex tasks. My results align with theoretical models of frictional labour markets, suggesting that emigration increases labour market tightness and reduces hires. The resuls from this thesis advance existing knowledge of inter-regional human capital mobility in different settings and can provide useful insights for the design of capacitybuilding interventions and regional development policies." The study refers to the period 1990-2002 (Author's abstract, IAB-Doku). |
| Erfasst von | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Nürnberg |
| Update | 2026/4 |