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Autor/inWestermann, Nele Katharina
TitelZusammenhänge zwischen Selbstregulation und sozialen Stressoren sowie deren Einfluss auf Gewicht und Binge Eating in der mittleren Kindheit und Adoleszenz.
QuellePotsdam: Universität Potsdam (2025), VI, 139 S.
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Dissertation, Universität Potsdam, 2025.
Sprachedeutsch
Dokumenttyponline; Monografie
DOI10.25932/publishup-68235
URNurn:nbn:de:kobv:517-opus4-682354
SchlagwörterEssstörung; Jugend; Kind; Adipositas; Übergewicht; Dissertation
AbstractEtwa jedes fünfte Kind in Deutschland ist von Übergewicht oder Adipositas betroffen; ebenso häufig treten Symptome von Binge Eating auf. Trotz dieser hohen Prävalenzen sind die zugrunde liegenden Entwicklungsmechanismen bislang unzureichend untersucht. Erste Befunde deuten darauf hin, dass soziale Stressoren (z. B. das Erleben von negativen Peer Erfahrungen, Gewichtsstigmatisierung) sowie die Selbstregulation (SR) eine zentrale Rolle spielen könnten. Dem übergeordneten Konzept der SR werden einzelne differenzierbare Facetten zugeordnet, die sich in basale und komplexe sowie bereichsspezifische appetitsbezogene Facetten unterteilen lassen. Ziel der vorliegenden Dissertation war es, (1) prospektive Zusammenhänge zwischen sozialen Stressoren, SR sowie Übergewicht / Adipositas und Binge Eating in der mittleren Kindheit und Adoleszenz zu untersuchen und (2) die Relevanz spezifischer SR-Facetten sowie potenzielle Alters- und Geschlechtsunterschiede differenziert zu prüfen. Als Datengrundlage diente die Potsdamer Intrapersonale Entwicklungsrisiken (PIER) Studie. Über vier Messzeitpunkte (MZP) hinweg wurden prospektive Daten von Kindern, Eltern und Lehrer:innen erhoben. Die Erhebungen erfolgten multimethodal und umfassten Fragebögen, physiologische Messungen sowie verhaltensbasierte Experimente. Die Stichprobe bestand zu MZP1 aus 1657 Kindern im Alter von 6-11 Jahren (52,5% weiblich), zu MZP2 aus 1609 Kindern im Alter von 7-11 Jahren, zu MZP3 aus 1534 Kindern im Alter von 9-13 Jahren und zu MZP4 aus 570 Adoleszenten im Alter von 16-21 Jahren. Der vorliegenden Dissertation liegen drei Manuskripte zugrunde, die die oben aufgeführten Fragestellungen durch prospektive Strukturgleichungsmodelle adressieren (Cross-lagged Panel Model, prospektive parallele Mediationsanalyse, Latent Change Score Model). Manuskript 1 untersuchte den prospektiven bidirektionalen Zusammenhang zwischen basalen und komplexen SR-Facetten und negativen Peer Erfahrungen in der mittleren Kindheit. Die Ergebnisse zeigten, dass negative Peer Erfahrungen eine Abnahme basaler SR (z.B. Inhibition, kognitive Flexibilität) vorhersagten, während eine geringere basale SR gleichzeitig ein höheres Risiko für spätere negative Peer Erfahrungen bedeutete. Planungsverhalten als komplexe SR-Facette erwies sich ebenfalls als vulnerabel gegenüber negativen Peererfahrungen. Ziel von Manuskript 2 war es, den Einfluss von Gewichtsstigmatisierung in der mittleren Kindheit auf den Gewichtsstatus (BMI-SDS) im Jugendalter sowie die Rolle der appetitsbezogenen SR als potenziellen Mediator zu untersuchen. Die appetitsbezogene SR vermittelte den prospektiven Zusammenhang zwischen Gewichtsstigmatisierung und BMI-SDS vollständig. Höhere Ausprägungen von Gewichtsstigmatisierung sagten eine stärkere Essensresponsivität, ein höheres emotionales Überessen und - bei älteren Kindern - eine geringere Sättigungsresponsivität vorher. Darüber hinaus sagte eine erhöhte Essensresponsivität einen höheren BMI-SDS im Jugendalter vorher, was auf einen spezifischen indirekten Effekt hinweist. Die Ergebnisse blieben bei Kontrolle etablierter Einflussfaktoren (elterlicher BMI, Körperunzufriedenheit) konstant. Manuskript 3 modellierte die Entwicklung von Binge Eating über die mittlere Kindheit und Adoleszenz und prüfte SR-Facetten als mögliche Prädiktoren. Die Ergebnisse verdeutlichten eine anfängliche Abnahme der Symptomatik zu Beginn der mittleren Kindheit, gefolgt von einer Stagnation und einem Anstieg in der Adoleszenz. Eine höhere kognitive Flexibilität, eine höhere inhibitorische Kontrolle sowie ein besseres Planungsverhalten prädizierten einen Rückgang von Binge Eating in der mittleren Kindheit. Eine höhere Sättigungsresponsivität in der Adoleszenz hingegen stand unerwartet mit einem Anstieg von Binge-Eating in Zusammenhang, Insgesamt belegen die Befunde einen sich gegenseitig verstärkenden Prozess, in dem soziale Stressoren über unterschiedliche Facetten der SR zur Entstehung und Aufrechterhaltung von Übergewicht und Binge Eating beitragen. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung integrativer Präventions- und Interventionsansätze, die sowohl soziale Stressoren reduzieren als auch die basalen, komplexen und appetitsbezogenen SR-Fähigkeiten von Kindern und Adoleszenten gezielt fördern. (übernommen).

Approximately one in five children in Germany meets the criteria for overweight or obesity, and symptoms of binge eating are reported with similar frequency. Despite these high prevalence rates, the underlying developmental mechanisms remain insufficiently understood. Initial findings suggest that social stressors (e.g., adverse peer experiences, weight stigmatization) and self-regulation (SR) may play a central role. The overarching concept of SR comprises distinct and differentiable facets, which can be categorized as basal, complex, and domain-specific appetite-related SR. The aim of this dissertation was (1) to examine prospective associations between social stressors, SR, overweight/obesity, and binge eating during middle childhood and adolescence, and (2) to assess the relevance of specific SR facets, including potential age- and gender-related differences. Data were drawn from the Potsdam Intrapersonal Developmental Risks (Potsdamer Intrapersonale Entwicklungsrisiken; PIER) Study, a prospective longitudinal study conducted across four measurement waves. Multimethod assessments included questionnaires, physiological measurements, and behavior-based experiments, with data collected from children, parents, and teachers. At T1, the sample consisted of 1657 children aged 6-11 years (52.5% female); at T2, 1609 children aged 7-11 years; at T3, 1534 children aged 9-13 years; and at T4, 570 adolescents aged 16-21 years. The dissertation comprises three manuscripts that addressed the research questions using prospective structural equation models (cross-lagged panel model, prospective parallel mediation analysis, latent change score model). Manuscript 1 examined the bidirectional prospective associations between basal and complex SR facets and adverse peer experiences during middle childhood. Results indicated that adverse peer experiences predicted decreases in basal SR (e.g., inhibition, cognitive flexibility), while lower SR, in turn, increased the likelihood of later adverse peer experiences. Planning behavior, as a complex SR facet, also proved vulnerable to adverse peer experiences. Manuscript 2 investigated the impact of weight stigmatization during middle childhood on adolescent weight status (BMI-SDS) and the mediating role of appetite-related SR. Appetite-related SR fully mediated the prospective link between weight stigmatization and BMI-SDS. Higher levels of weight stigmatization predicted greater food responsiveness, greater emotional overeating, and - among older children - reduced satiety responsiveness. Additionally, greater food responsiveness predicted higher adolescent BMI-SDS, suggesting a specific indirect effect. These associations remained robust when controlling for established covariates (parental BMI, body dissatisfaction). Manuscript 3 modeled the development of binge eating from middle childhood through adolescence and examined SR facets as potential predictors. The findings showed an initial decline in binge eating symptoms, followed by stagnation and a subsequent increase during adolescence. Higher cognitive flexibility, greater inhibitory control, and better planning behavior predicted a decrease in binge eating in middle childhood. In contrast, greater satiety responsiveness during adolescence was unexpectedly associated with an increase in binge eating symptoms. Overall, the findings support a mutually reinforcing process in which social stressors contribute to the development and maintenance of overweight and binge eating via distinct SR pathways. These results underscore the importance of integrated prevention and intervention approaches that aim to reduce social stressors while promoting basal, complex, and appetite-related SR skills in children and adolescents. (übernommen).
Erfasst vonDeutsche Nationalbibliothek, Frankfurt am Main
Update2026/4
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