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Autor/inWilke, Yannik
TitelLeistungsbeurteilung im inklusiven Mathematikunterricht der Sekundarstufe I. Eine Rekonstruktion handlungsleitender Orientierungen und habitualisierter Handlungspraktiken von Mathematiklehrkräften an inklusiven Schulen der Sekundarstufe I in Nordrhein-Westfalen und Bremen.
QuelleBielefeld: Universitätsbibliothek Bielefeld (2026), 318 S.
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Dissertation, Universität Bielefeld, 2025.
Sprachedeutsch
Dokumenttyponline; Monografie
DOI10.4119/unibi/3017998
URNurn:nbn:de:0070-pub-30179983
SchlagwörterSekundarstufe I; Leistungsbeurteilung; Schulleistungsmessung; Mathematikunterricht; Dissertation; Inklusion
AbstractDie Etablierung inklusiver Kulturen, inklusiver Strukturen und inklusiver Praktiken (Boban & Hinz 2003) steht in einem direkten Widerspruch zum hierarchisch strukturierten und an Stratifizierung ausgerichteten Schulsystem in Deutschland; dies zeigt sich besonders deutlich im Bereich der Leistungsbeurteilung bzw. im pädagogischen Umgang mit schulischen Leistungen von Schüler*innen im Unterricht (Seitz & Wilke 2021). Während im Regelschulalltag die Bewertung und Rückmeldung von Leistungen an die Zensierung von Leistungen in summativen Prüfungssituationen und eng an Selektionsentscheidungen in Bezug auf Bildungswege geknüpft sind, zeigen sich diese diametral zu den Bemühungen von Reform- und Inklusionspädagogik. Letztere zielen gemeinsam darauf ab, Leistungsbeurteilung dialogisch, partizipativ und losgelöst von Ziffernnoten zu betrachten (u. a. Winter 2018, Beutel & Pant 2020). Entsprechend bildet im Kontext von Inklusion die Anerkennung der Schüller*innen - unabhängig von ihrer momentanen Leistungsgrenze und auf menschenrechtlichen und demokratischen Rechten der Schüler*innen - die Basis für die Beurteilung von schulischen Leistungen (u. a. Prengel 2016, 2017). Folglich verläuft das diagnostische Handeln der Lehrkräfte innerhalb verschiedener Spannungsfelder (Helsper 2021, Seitz & Wilke 2021), die sich durch konfligierende Erwartungen von pädagogischer und administrativer Seite verschärfen, so dass es Lehrkräften nur erschwert möglich ist, ihre diagnostischen Kompetenzen (Baumert & Kunter 2006) in systemkonformer Weise zu nutzen, ohne dabei entweder die eigenen Überzeugungen oder die administrativen Weisungen und Vorgaben im Kontext der Leistungsbeurteilung in den Hintergrund zu rücken (Reh & Wilke 2021, Wilke & Reh 2023, Wilke Faix & Reh 2024). In der folgenden Arbeit wurden mittels der dokumentarischen Methode (Bohnsack 2017) und einer praxeologischen Typenbildung (Bohnsack et al. 2019) drei Idealtypen aus elf Interviews mit inklusionserfahrenen Mathematiklehrkräften rekonstruiert, die über eine mehrjährige Berufserfahrung an inklusionsorientierten Gesamtschulen und Schulen mit vergleichbaren Konzepten aus den Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Bremen verfügen. Die rekonstruierten Idealtypen stützen sich dabei auf das geteilte Orientierungsproblem, dass die meritokratischen Prinzipien, auf denen die Leistungsbeurteilung in der Schule aufbaut, und entsprechende Selektionsmomente als hinderlich für das Lernen und Leisten der Schüler*innen im Mathematikunterricht der Sekundarstufe einzustufen sind. Ebenso kann ein geteiltes Bestreben der Lehrkräfte rekonstruiert werden, die Leistungsfähigkeit (wieder)herzustellen ihrer Schüler*innen im Mathematikunterricht und aufrechtzuerhalten, was mit der Anerkennung von Schüler*innenleistungen einhergeht, die nicht oder nur zum Teil in Performanz umgesetzt werden können. Die Ausdifferenzierung der Idealtypen (Bohnsack 2017) erfolgt daran anschließend in vier Typisierungsmomenten, in die rekonstruierte handlungsleitende Überzeugungen und habitualisierte Handlungspraktiken (Reckwitz 2003) der Lehrkräfte eingeordnet werden konnten. Diese Momente lassen sich untergliedern in: (a) die sprachlichen Rekonstruktionen von (Un-) Gleichheit im Kontext der Interviews, (b) die Anerkennung (besonderer) Schüler*innenleistungen, (c) den Umgang mit schulischen bzw. administrativen Vorgaben zur Leistungsbeurteilung, (d) förderliche Leistungsbeurteilung und Lernprozessbegleitung. Im Anschluss werden die drei rekonstruierten Idealtypen einer professionstheoretischen Analyse (Baumert & Kunter 2006, Helsper 2004, Kramer & Pallesen 2019) unterzogen, um herauszuarbeiten, welche Überzeugungen und Handlungspraktiken die professionelle Diagnostik und Leistungsbeurteilung aus inklusionspädagogischer Perspektive beeinflussen. Ebenso wird in den Blick genommen, inwieweit sich in den jeweiligen Idealtypen Orientierungen an den unterschiedlichen Diskurslinien zur Leistungsbeurteilung und zur pädagogischen Diagnostik rekonstruieren ließen. Weiter wird dargestellt, inwieweit entsprechende Handlungspraktiken als Ausdruck eines professionellen Lehrer*innenhabitus im Umgang mit Schüler*innenleistungen und ihrer Beurteilung verstanden werden können. Hieraus werden Implikationen der Ergebnisse für einen inklusionsorientierten Mathematikunterricht und einen auf Inklusion ausgerichteten Umgang mit Schüler*innenleistungen im Allgemeinen gezogen. Ferner wird diskutiert, wie gewinnbringende Orientierungen in der Lehrer*innenaus- und Weiterbildung angebahnt und mit dazu passenden Instrumenten und Handlungspraktiken gestützt werden können. Abschließend liefert die Arbeit auf Basis der Ergebnisse weitere Impulse für anschließende Forschungen im Feld der Professionalisierung für inklusionssensible Leistungsbeurteilung. (übernommen).
Erfasst vonDeutsche Nationalbibliothek, Frankfurt am Main
Update2026/4
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