Literaturnachweis - Detailanzeige
| Autor/in | Bross, Tanja |
|---|---|
| Titel | Emotionen im Lern- und Leistungskontext: Zusammenhänge mit Zielen und Emotionsregulation aus situativer und personenbezogener Perspektive. |
| Quelle | Augsburg: Universität Augsburg (2026), 99 S.
PDF als Volltext (1); PDF als Volltext (2); PDF als Volltext (3) Dissertation, Universität Augsburg, 2025. |
| Sprache | deutsch |
| Dokumenttyp | online; Monografie |
| URN | urn:nbn:de:bvb:384-opus4-1283099 |
| Schlagwörter | Emotionsregulation; Gefühl; Lehrer; Lernzielfindung; Dissertation |
| Abstract | Die vorliegende kumulative Dissertation gibt Einblicke in Emotionen, Ziele und Emotionsregulation im Lern- und Leistungskontext von Lernenden und Lehrenden, mit besonderem Fokus auf Lehrkräften. Ziele und Emotionsregulationsstrategien stehen in engem und wechselseitigem Zusammenhang mit Emotionen, was sowohl theoretische Modelle (Gross, 1998b; Harley et al., 2019; Linnenbrink & Pintrich, 2002; Pekrun et al., 2006) als auch zahlreiche empirische Studien bestätigen (z. B. Brondino et al., 2014; Goetz et al., 2016; Janke et al., 2019; Meihami & Esmaili, 2024; Putwain et al., 2013; Rottweiler et al., 2023; Rottweiler et al., 2018; Smrtnik Vitulic & Prosen, 2022). Beispielsweise zeigen Forschungsbefunde, dass das Erleben von bestimmten Emotionen mit dem Verfolgen von bestimmten Zielen zusammenhängt (z. B. Brondino et al., 2014; Goetz et al., 2016; Janke et al., 2019; Putwain et al., 2013) und die Emotionsregulation emotionsspezifisch ist. Das bedeutet, dass je nach erlebten Emotionen unterschiedliche Strategien genutzt werden (Meihami & Esmaili, 2024; Rottweiler et al., 2023; Rottweiler et al., 2018; Smrtnik Vitulic & Prosen, 2022). Jedoch können auch noch einige Forschungslücken identifiziert werden: Erstens weist eine frühere Metaanalyse zum Zusammenhang von Emotionen und Zielen (Huang, 2011) methodische Einschränkungen auf, da beispielsweise Emotionen lediglich nach Valenz in positiv und negativ klassifiziert wurden, Ziele nicht ausreichend differenziert wurden und relevante Moderatoren wie die Population oder die Operationalisierung der Emotionen nicht inkludiert wurden. Der erste Artikel der Dissertation adressiert diese Lücke, indem er die Beziehung zwischen Emotionen und Zielen im Lern- und Leistungskontext systematisch mittels einer Metaanalyse untersucht und verschiedene Moderatoren berücksichtigt. Da für die Metaanalyse zum Zusammenhang von Emotionen und Zielen noch nicht viele Studien mit Lehrkräften vorlagen, wurden in der Metaanalyse zusätzlich zu Lehrkräften weitere Populationen wie beispielsweise Studierende und Hochschullehrende inkludiert. Die Ergebnisse des ersten Artikels zeigen, dass vielfältige und unterschiedliche Zusammenhänge zwischen Emotionen und Zielen bestehen, sowohl im Hinblick auf Aktivitäts- als auch auf Ergebnisemotionen. Darüber hinaus zeigen verschiedene Facetten von Lernzielen unterschiedliche Zusammenhänge mit Emotionen. Emotionen und Ziele sollten deswegen möglichst spezifisch er-fasst werden. In den beiden folgenden Artikeln wurde dann der Fokus auf das Erleben von Lehrkräften gelegt. Frühere Untersuchungen zum Zusammenhang von Emotionen und Zielen fokussierten vor allem auf interindividuelle Unterschiede bei Studierenden, also Unterschiede zwischen Personen (Hall et al., 2016; Li & Li, 2024), was theoretische Annahmen zu den Zusammenhängen nicht ausreichend bestätigen kann, da Theorien genau genommen intraindividuelle Prozesse, also Unterschiede innerhalb einer Person, skizzieren. Studien zum Zusammenspiel von Emotionen und Zielen bei Lehrkräften, die im schulischen Kontext eine zentrale Rolle für erfolgreiche Lernprozesse einnehmen, sind selten. Der zweite Artikel beschäftigt sich deswegen mit der detaillierteren Analyse des in Artikel 1 untersuchten Zusammenspiels von Emotionen und Zielen bei Lehrkräften. Hierbei wird ein Fokus auf die mögliche vermittelnde Rolle von Kontroll- und Wert-Appraisals gelegt, da theoretische An-nahmen (Pekrun et al., 2006) sie als Mediatoren zwischen Zielen und Emotionen beschreiben. Der zweite Artikel der Dissertation analysiert deshalb, inwieweit Kontroll- und Wert-Appraisals die Verbindung zwischen Zielen und Emotionen bei Lehrkräften sowohl auf inter- als auch auf intraindividueller Ebene erklären können und welche Rolle situativen Faktoren zukommt. Die Ergebnisse des zweiten Artikels verdeutlichen, dass die Zusammenhänge zwischen Emotionen und Zielen sowohl auf inter- als auch auf intraindividueller Ebene, also zwischen Personen und innerhalb Personen, sowie in Abhängigkeit der wahrgenommenen Bewertung der Situation als positiv oder negativ variieren und durch das Kontrollerleben vermittelt werden. Eine Förderung von Annäherungszielen, die Reduktion von Vermeidungszielen und eine Stärkung des Kontrollerlebens erscheinen empfehlenswert für ein positives emotionales Erleben. Emotionen stehen nicht nur in enger Verbindung mit Motivation, sondern erfordern auch eine gezielte Regulation, um Wohlbefinden zu erleben und Verhalten zu steuern. Bisherige Studien zu Lehrkräften konzentrierten sich vor allem auf einzelne Emotionsregulationsstrategien auf der interindividuellen Ebene (z. B. Chang, 2020; Doyle et al., 2024; Jeon & Ardeleanu, 2020; Messineo & Tosto, 2022; Wang et al., 2023; Yin et al., 2016). Neuere Forschung mit Studierenden legt jedoch nahe, dass Emotionsregulationsstrategien häufig in spezifischen Kombinationen eingesetzt werden und sich ihre Anwendung situativ sowie abhängig von der erlebten Emotion unterscheidet (Rottweiler et al., 2023). Der dritte Artikel beleuchtet daher, welche Emotionsregulationsstrategien Lehrkräfte in welchen Kombinationen auf inter- und intraindividueller Ebene anwenden und wie diese mit ihrem emotionalen Erleben, dem situativen Kontext und dem subjektiven Wohlbefinden zusammenhängen. Die Ergebnisse des dritten Artikels zeigen auf, dass auch Lehrkräfte unterschiedliche Kombinationen von Emotionsregulationsstrategien sowohl auf situativer als auch auf personenbezogener Ebene nutzen. Die erlebte Freude und der erlebte Kontext standen im Zusammenhang mit den situativen Kombinationen von Strategien, wohingegen für das subjektive Wohlbefinden keine Zusammenhänge mit den personenbezogenen Emotionsregulationskombinationen fest-gestellt werden konnte. Aus den Befunden kann abgeleitet werden, dass Trainingsmaßnahmen die kombinierte Anwendung von Strategien sowie die Emotions- und Situationsspezifität ebendieser gezielt berücksichtigen sollten. Insgesamt verdeutlichen die Ergebnisse der kumulativen Dissertation, dass Emotionen, Ziele und Emotionsregulation differenziert betrachtet werden sollten, und zwar hinsichtlich spezifischer Emotionen, Ziele, Strategiekombinationen sowie intra- und interindividueller und auch situativer Unterschiede. Außerdem spielten subjektive Bewertungen bezüglich der Valenz der Situation und dem Kontrollerleben eine zentrale Rolle für die Zusammenhänge von Emotionen und Zielen. Zusätzlich waren das Erleben von Freude und unterschiedliche Kontexte mit verschiedenen Mustern der Emotionsregulation assoziiert. Die Dissertation unterstreicht den Bedarf, theoretische Modelle weiterzuentwickeln und methodisch sowohl längsschnittliche Designs umzusetzen als auch den Kontext zu erfassen. Auf praktischer Ebene implizieren die Befunde, dass Lehrkräfte gezielt im Umgang mit ihren Emotionen und der Ausbildung von Zielen unterstützt werden sollten. Dies könnte beispielsweise durch Fortbildungen erfolgen, die in einem individuellen Ansatz den Fokus auf die Vermittlung theoretischer Grundlagen, die Erhöhung des Kontrollerlebens, die Förderung von Annäherungszielen sowie auf das gemeinsame Auftreten von Strategien und die Bedeutung des Kontextes bei der Emotionsregulation legen. (übernommen). |
| Erfasst von | Deutsche Nationalbibliothek, Frankfurt am Main |
| Update | 2026/4 |