Literaturnachweis - Detailanzeige
| Autor/in | Gabel, Sylvia |
|---|---|
| Titel | Understanding teacher professional vision: How instructional, situational, and individual factors shape (novice) teacher noticing. |
| Quelle | Augsburg: Universität Augsburg (2025), [152 S.]
PDF als Volltext (1); PDF als Volltext (2); PDF als Volltext (3) Dissertation, Universität Augsburg, 2025. |
| Sprache | englisch |
| Dokumenttyp | online; Monografie |
| URN | urn:nbn:de:bvb:384-opus4-1272191 |
| Schlagwörter | Wahrnehmung; Lehrer; Lehrerbildung; Unterrichtsstörung; Unterrichtsforschung; Unterrichtsorganisation; Unterricht; Dissertation |
| Abstract | Lehrkräfte sind im Unterricht vielen Reizen ausgesetzt, die sie schnell verarbeiten müssen. Vor allem die Simultanität der Ereignisse sowie die unzähligen spontanen Aktivitäten erfordern von Lehrkräften adaptive Reaktionen auf das Unterrichtsgeschehen. Dies stellt vor allem angehende Lehrkräfte vor große Herausforderungen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass (angehende) Lehrkräfte durch die Ausbildung ihrer professionellen Wahrnehmung auf diese Unterrichtsrealität vorbereitet sind. Hierzu zählt vor allem die Kompetenz, relevante Ereignisse frühzeitig zu identifizieren und alle simultan ablaufenden Geschehnisse im Unterricht im Blick zu behalten - eine Teilkompetenz der professionellen Wahrnehmung, die in der empirischen Bildungsforschung als Noticing bezeichnet wird. Gerade im Hinblick auf Unterrichtsstörungen ist es wichtig, diese früh zu erkennen, um die Lernatmosphäre aufrecht zu erhalten. Zur Erforschung der Noticing-Kompetenz (angehender) Lehrkräfte hat sich die Videobeobachtung in Kombination mit retrospektiven Interviews etabliert. Dabei eignet sich außerdem die prozessbezogene Erfassung der Blickbewegungen durch monitorbasierte Eye Tracker. Hierbei können visuelle Blickmuster Aufschluss auf die kognitiven Verarbeitungsprozesse geben und die Aufmerksamkeitsverteilung bei der Betrachtung der Videos deutlich machen. Bisherige Forschung konnten durch Expert:innen-Noviz:innen-Vergleiche zeigen, dass sich angehende und erfahrene Lehrkräfte in ihrem Noticingverhalten grundlegend unterscheiden. Während Noviz:innen Unterricht vor allem stimuligeleitet (bottom-up) beobachten, zeigen Expert:innen eher wissensgesteuerte (top-down) Wahrnehmungsmuster. Durch den positiven Einfluss des Fachwissens sind Expert:innen besser in der Lage, relevante Ereignisse schneller zu identifizieren und die Wahrnehmung effizient zu gestalten. Allerdings kann die professionelle Wahrnehmung von angehenden Lehrkräften durch geeignete videobasierte Interventionen geschult werden. Bislang unklar war jedoch, welche Instruktionsmaßnahmen hierfür geeignet sind, um das Noticing von angehenden Lehrkräften zu fördern. Des Weiteren blieb offen, wie sich das Blickverhalten von Expert:innen und Noviz:innen bei der Beobachtung von Unterrichtsstörungen unterscheidet. Zudem können neben dem Fachwissen auch weitere individuelle Faktoren das Noticing beeinflussen. Noch wenig bekannt ist allerdings, inwieweit die Einstellungen der Lehrkräfte mit ihrem Blickverhalten zusammenhängen. Ziel vorliegender Dissertation ist es, diese instruktionalen, situationalen und individuellen Kontextfaktoren des Noticings von (angehenden) Lehrkräften zu untersuchen. Dafür wurden vier empirische Studien durchgeführt, in denen Lehramtsstudierende (und erfahrene Lehrkräfte in Studie III) Unterrichtsvideos im Kontext des Klassenmanagements beobachtet haben, woraufhin ihre Blickbewegungen als Indikator ihres Noticing-Verhaltens (bis auf Studie I) analysiert wurden. Konkret testeten Studie I und II, inwieweit Prompts im Vergleich zu einer spezifischen Aufgabenstellung (und zusätzlich in Studie II: im Gegensatz zu einer allgemeinen Aufgabenstellung) das Noticing von angehenden Lehrkräften fördern können. Die Ergebnisse dieser Studie zeigten, dass beide Instruktionsarten einen ähnlichen aufmerksamkeitsleitenden Effekt bewirken. Jedoch erzielten Prompts in kritischen Situationen, in denen eine schnelle Identifikation relevanter Events erforderlich ist, eine effektiveres Noticingverhalten bei den Teilnehmenden - möglicherweise aufgrund ihres zeitlichen Primings. In Studie III wurde das Blickverhalten von Expert:innen und Noviz:innen während der Beobachtung einer Unterrichtsstörung analysiert. Ziel war es herauszufinden, was ein effektives Blickverhalten beim Auftreten einer Unterrichtsstörung charakterisiert. Die Analysen zeigten, dass Noviz:innen ein eher exploratives und instabiles Blickmuster aufweisen. Im Gegensatz dazu, wiesen Expert:innen insgesamt ein stabileres Blickverhalten auf und richteten ihren Blick nach dem Auftreten noch fokussierter und stabiler auf den störenden Schüler und seine Umgebung. Diese adaptiven Fähigkeiten im Blickverhalten der Expert:innen stellen sich als Expertisemerkmale heraus, die gleichzeitig wünschenswerten Kompetenzen für die Ausbildung angehender Lehrkräfte implizieren. Zuletzt untersuchte Studie IV den Zusammenhang zwischen geschlechterspezifischen Einstellungen angehenden Lehrkräften und ihrem Blickverhalten. In einem multimodalen Forschungsansatz wurden neben Eye-Tracking Daten auch explizite (Gefühlsthermometer) und implizite Einstellungen (Impliziter Assoziationstest) gemessen. Die Ergebnisse zeigten insgesamt eine positivere Einstellung gegenüber Mädchen und auch eine höhere Anzahl an Fixationen auf Mädchen. Zudem wurde eine positive Korrelation zwischen diesen Variablen festgestellt, was auf eine Wahrnehmungsverzerrungen zugunsten der favorisierten Schüler:innengruppe implizieren könnte. Damit ist diese Studie eine der ersten, die auf einen impliziten Zusammenhang zwischen den Einstellungen der angehenden Lehrkräfte und ihrem Blickverhalten hinweist. Insgesamt erweitert diese Dissertation den bisherigen Forschungsstand zum Noticingverhalten von (angehenden) Lehrkräften, indem die kontextuellen Faktoren näher untersucht wurden. Damit ergänzt sie bisherige theoretischen Modelle mit instruktionalen, situationalen und individuellen Komponenten. Gleichzeitig werden daraus praktische Implikationen im Hinblick auf die Förderung der professionellen Wahrnehmung von angehenden Lehrkräften abgeleitet. Zum einen können daraus Schlussfolgerungen für die instruktionale Einbettung von Unterrichtsvideos gezogen werden, zum anderen werden dadurch weitere Expertisekriterien für die Beobachtung von Unterrichtsstörungen deutlich. Nicht zuletzt wird auch ein gewisses Bewusstsein an möglichen Wahrnehmungsverzerrungen durch individuelle Einstellungen geweckt, was zu einem reflektierten Blickverhalten im Unterricht aufruft. (übernommen). Teachers are exposed to many stimuli in the classroom, which they have to process quickly. Above all, the simultaneity of events and the countless spontaneous activities require teachers to react adaptively to what is happening in the classroom. Here, particularly novice teachers face major challenges. For this reason, it is important that (novice) teachers are prepared for the reality of teaching by enhancing their professional vision competences. This includes the ability to identify relevant events at an early stage and to keep an eye on all simultaneous events in the classroom - a sub-competence of professional vision known as noticing in educational research. In the context of classroom management, it is particularly important to identify disruptions at an early stage in order to maintain a constructive learning atmosphere. Video analysis in combination with retrospective interviews has become established for researching the noticing skills of (novice) teachers. Furthermore, the process-related recording of eye movements using monitor-based eye trackers is also recommended. Here, visual gaze patterns can provide information on cognitive processing and visual attention distribution when participants are watching the videos. Through expert-novice comparisons, previous research has been able to show that novice and expert teachers differ fundamentally in their noticing behavior. While novices primarily observe lessons in a stimulus-driven (bottom-up) manner, experts tend to show more knowledge-driven (top-down) gaze patterns. Due to the positive influence of knowledge, experts are better able to notice relevant events more quickly and organize their gaze behavior efficiently. Nevertheless, novice teachers´ professional vision can be trained through suitable video-based interventions. However, it has not yet been clear which instructional measures are suitable for promoting noticing competence of novice teachers. Furthermore, it is unclear how the gaze behavior of experts and novices differs when observing classroom disruptions. In addition to knowledge, other individual factors can also influence noticing. However, little is known about the extent to which teachers´ attitudes are related to their gaze behavior. The aim of this dissertation is to investigate these instructional, situational and individual contextual factors of (novice) teachers´ noticing. To this end, four empirical studies were conducted in which novice teachers (and expert teachers in Study III) observed instructional videos in the context of classroom management, whereupon their eye movements were analyzed as an indicator of their noticing behavior (except for Study I). Specifically, Study I and II tested the extent to which prompts can promote novice teachers´ noticing in comparison to a specific task instruction (and additionally in Study II: in contrast to a general task instruction). The results of this study showed that both types of instruction had a similar attention-guiding effect. However, prompts guided novice teachers to a more effective noticing behavior in critical situations, where a quick identification of relevant events is required-probably due to their temporal priming. In Study III, the gaze behavior of experts and novices was analyzed during the observation of a classroom scene where a classroom disruption occurs. The aim was to examine what characterizes effective monitoring as a visual classroom management strategy during a classroom disruption. The analyses revealed that novices exhibited a rather explorative and unstable gaze pattern. In contrast, experts showed a more stable gaze behavior overall and directed their gaze even more focused on the disruptive student and its surroundings after the disruption. These adaptive abilities in the gaze behavior of expert teachers turn out to be expert characteristics that, at the same time, imply a desirable competence in novice teacher training. Finally, Study IV investigated the relationship between the gender-specific attitudes of novice teachers and their gaze behavior. In a multimodal research approach, explicit (feeling thermometer) and implicit attitudes (implicit association test) were measured in addition to eye-tracking data. The results showed an overall more positive attitude towards girls and a higher number of fixations on girls. In addition, a positive correlation between implicit attitudes and novice teachers´ gaze behavior on girls was found, which might indicate a bias in favor of the favored student group. This study was one of the first to point to an implicit link between novice teachers´ attitudes and their gaze behavior Overall, this dissertation expands the current state of research on (novice) teachers´ noticing behavior by examining the contextual factors in more detail. It thus extends previous theoretical models with instructional, situational and individual components. At the same time, practical implications can be derived regarding the promotion of novice teachers´ noticing competence. On the one hand, conclusions can be drawn for the instructional embedding of classroom videos, and on the other hand, further expertise criteria for the observation of classroom disruptions become clear. Finally, it raises awareness of possible biases in (novice) teachers´ gaze behavior due to individual attitudes, which calls for a more reflective way of noticing in the classroom. (übernommen). |
| Erfasst von | Deutsche Nationalbibliothek, Frankfurt am Main |
| Update | 2026/4 |