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Autor/inPasternack, Peer
TitelAuch ein Forschungsmuseum.
Das Lutherhaus Wittenberg 1883-2023: 140 Jahre Sammlung, Dokumentation und Forschung.
QuelleHalle-Wittenberg: ed. Albirios (2025), 531 S.
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BeigabenIllustrationen
Sprachedeutsch
Dokumenttyponline; gedruckt; Monografie
ISBN978-3-69059-008-2
SchlagwörterGeschichte (Histor); Verfassung; Forschung; Universität; Hochschule; Museum; Evangelische Kirche
AbstractForschungsmuseen sind Museen mit überregional bedeutenden Sammlungen, die - neben ihren sonstigen Aufgaben der Bestandspflege und -erweiterung sowie der Ausstellungsgestaltung und angeregt von den Sammlungen - eigene Forschungen durchführen, die wiederum überregional bedeutsam sind und den Forschungsstand des jeweiligen Fachgebiets mitbestimmen. Das Wittenberger Lutherhaus ist im Laufe der ersten 140 Jahre seines Bestehens zu einem solchen Forschungsmuseum geworden. Das 1883 als "Lutherhalle" gegründete Museum im Lutherhaus entwickelte sich bisher in fünf verschiedenen politischen Systemen: vom Kaiserreich und der Weimarer Republik über den Nationalsozialismus und die DDR bis hin zum vereinigten Deutschland demokratischer Prägung. Damit sind zugleich unterschiedliche geschichtspolitische Konjunkturen zu verhandeln. Das hebt den Fall ins Exemplarische. Das Lutherhaus hatte an den recht verschieden motivierten und ausgestalteten Reformationsbildern, in unterschiedlicher Weise teil: miterzeugend, bekräftigend, relativierend, unterlaufend, korrigierend, horizonterweiternd. Die wissenschaftliche Verankerung der Museumsarbeit stand dabei spätestens seit 1930 nicht infrage, sondern wurde im Laufe der Jahrzehnte zunehmend professioneller. Das wird in dem Buch ausführlich dargestellt und mit einer darin erstmals vorgelegten Bibliografie der Lutherhaus-Publikationen belegt. Die inhaltlichen Ergebnisse der Arbeiten im Lutherhaus wurden zum einen in den Ausstellungen, zum anderen in Publikationen sichtbar. Letztere waren sowohl popularisierende als auch im engeren Sinne wissenschaftliche. Dabei zeigen sich im Zeitverlauf sowohl gleichbleibend bedeutsame als auch wechselnde Schwerpunkte: Herausgehobene publizistische Behandlung erfuhr durchgehend und wenig verwunderlich Martin Luther. Philipp Melanchthon blieb über die Jahrzehnte hin im Aufmerksamkeitsschatten Luthers, wobei er allerdings ab 1990 eine deutlich erhöhte Beachtung gefunden hat. Die Frauen der Reformatoren wurden erst ab 1990 zu einem relevanten Gegenstand im Veröffentlichungsgeschehen des Lutherhauses. Durchgehende Präsenz wies das Thema "Reformation und Künste" auf, das sich ausdrücklich nicht allein auf das 16. Jahrhundert bezieht. Es nahm im Zeitverlauf parallel zur gesamten Publikationsdynamik zu.Die Verhandlung allgemeiner Museumsfragen und allgemeiner (Zeit-) Geschichte trat in nennenswertem Umfange ab 1990 auf. Das betraf Themen, die zwar einen Bezug zum Arbeitsauftrag des Lutherhauses aufwiesen, aber diesen weiteten, etwa übergreifende Fragen im Kontext mu­sealer Vermittlungsarbeit. Hinzu traten laufend Publikationen, die auf das Lutherhaus selbst bezogen sind, sodann die Sozial-, Medien- und Kunstgeschichte der Reformation, schließlich allgemeine Fragen der Reformation und ihrer Wirkungsgeschichte, die Wittenberger Horizonte überschreiten. (HRK / Abstract übernommen) Insgesamt wurden aus dem Lutherhaus 825 Texte veröffentlicht: 47 Monografien, 77 Herausgeberbände, 117 Broschüren und 584 Artikel. Im Zeitverlauf hat sich die Zahl des Gedruckten aus Wittenberg bis 1989 langsam und ab 1990 eskalierend erhöht. Die Nachfrage nach der wissen­schaft­li­chen Expertise lässt sich insbesondere daran ablesen, ob und wie Lutherhaus-Autorinnen und -Autoren auch als Verfasser von Artikeln in Lexika gefragt waren, sie in wissenschaftlichen Periodika publizierten sowie als Vortragende auf Tagungen und Autorinnen in wissenschaftlichen Sammelbänden präsent waren. Im Ergebnis wird man wohl ab etwa Mitte der 1930er Jahre für die Lutherhalle von einer Einrichtung sprechen können, die sich suk­zessive zum Forschungs­museum entwickelte, ohne es freilich sofort gewesen zu sein. Die personelle Ausstattung setzte zwar dem Ziel, die Lutherhalle zu einem relevanten institutionellen Spieler auch im wissen­schaftlichen Feld zu entwickeln, deutliche Grenzen. Doch zeigen die Publikationen dieser Zeit, dass die Lutherhalle auch damals schon wissenschaftlich satisfaktionsfähig war. Ab 1970 und dann noch einmal deutlich nach der Gründung der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt 1997 dokumentieren die Tagungs- und Publikationsaktivitäten, dass das Lutherhaus auch ein Forschungsmuseum geworden war. Wesentlich das Lutherhaus hat bewirkt, dass es in Wittenberg trotz der Universitätsauflösung 1817 wieder (geistes)wissenschaftliche Forschungsaktivitäten gab: Es hat nahezu im Alleingang dafür gesorgt. Ebenso ist der Umstand, dass es in Wittenberg eine reformationshistorische Infrastruktur gibt, die auswärtigen Forscher*innen eine einmalige Materialbreite bietet, wesentlich dem Lutherhaus zu verdanken. Nicht nur die Stadt Wittenberg hat es vermocht, ihr reformatorisches Erbe in vielerlei Hinsicht materiell und sozial zu kapitalisieren, sondern auch das Lutherhaus, dies mit intellektueller Unterfütterung zu versehen. (HRK / Abstract übernommen).
Erfasst vonHochschulrektorenkonferenz, Bonn
Update2026/3
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