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Autor/inFogt, Martin
TitelGesang in der Lehrerbildung im Bayern des 19. Jahrhunderts.
Quelle(2010), 1366 S.
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Augsburg, Univ., Diss., 2009.
Sprachedeutsch
Dokumenttyponline; Monographie
URNurn:nbn:de:bvb:384-opus-15790
SchlagwörterLehrerbildung; Geschichte (Histor); Gesang; Dissertation; Bayern
AbstractIn dieser Arbeit, einem Beitrag aus dem Bereich der historischen Musikpädagogik, wird der Gesang in seinen unterschiedlichen Funktionen in Lehrerbildung, Kirche und Schulalltag untersucht und diese mit den verschiedenen Lehrordnungen und Unterrichtsvorschriften in Beziehung gesetzt. Nach Hinführung und Fragestellung zum Thema, nach Darstellung der angewandten Methodik und der Struktur der Arbeit, wird kurz über die staatlich gelenkte Lehrerbildung in Bayern vor dem in der Arbeit besprochenen Zeitraum informiert. Das folgende Kapitel ist dem Gesangunterricht der Präparanden vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis 1866 gewidmet. Präparanden waren Jugendliche, die sich zum Lehrerberuf entschlossen hatten und sich auf den Besuch des Seminars vorbereiten mussten. Diesen Unterricht erhielten sie bis 1866, dem Jahr in dem staatliche Präparandenschulen eingerichtet wurden, bei Geistlichen und Lehrern, in privaten Präparandenschulen oder bei Privatlehrern. Vorausgesetzt wurden bei den Präparanden neben den in der Volksschule vermittelten Kenntnissen, Talent und Erfahrung im Musikbereich, pädagogisches Geschick und christliche Gesinnung. Um die Kosten der Ausbildung gering zu halten, nahmen die Präparanden diesen Unterricht oft beim Lehrer ihres Heimatorts, ob dieser dazu geeignet war oder nicht. Den Schwerpunkt bildeten im Musikbereich die Fächer Orgel und Gesang und im letzteren die Literatur, die im Gottesdienst gepflegt wurde. Eine einheitliche Durchführung dieses Unterrichts gab es in den ersten Jahrzehnten der institutionellen Lehrerbildung nicht. Die Qualität der anleitenden Lehrer wurde nicht kontrolliert, Unterrichtsmaterial und -dauer wurden nicht vorgeschrieben und die Präparanden, die auch oft zu Hilfsarbeiten im Haushalt ihres Lehrers missbraucht wurden, nahmen es mit dem Unterrichtsbesuch nicht genau. Die Folge war, dass bei den Aufnahmeprüfungen in das Seminar die ungenügende Vorbildung fast regelmäßig beklagt wurde. Oft besaßen die Präparanden nur die Kenntnisse, die sie noch ihrer Volksschulzeit verdankten. Der Schulwirklichkeit ist deshalb der nächste Abschnitt gewidmet. In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts waren die Schulhäuser, wenn sie überhaupt in einem Ort existierten, oft in einem miserablen Zustand. Die Lehrer unterrichteten zeitweise in ihren Privaträumen und sie konnten froh sein, wenn die Schulpflicht ernst genommen und das Schulgeld bezahlt wurde. Wenn die Lehrer mit ihren Schulkindern überhaupt sangen, erklangen Kirchenlieder, die durch Vor- und Nachsingen gelernt wurden. Auf Stimmbildung wurde kaum Wert gelegt, auf die Förderung von einzelnen talentierten Schülern nur in Ausnahmefällen, dann nämlich, wenn es Repräsentationszwecken bei Schulfeiern, öffentlichen Prüfungen oder in der Kirche diente. Beschrieben wird hier auch das Leben des Volksschullehrers, der, verachtet und sozial auf der untersten Stufe stehend, ohne Nebeneinkünfte nicht existieren konnte. Zu diesen Nebeneinkünften zählte der Dienst in der Kirche, wo der Lehrer als Organist und/oder Chorleiter oder im schlimmsten Fall nur als Küster wirkte. Musik, speziell Gesang spielte im Leben eines Lehrers im untersuchten Zeitraum eine oft lebenswichtige Rolle. 1866 wurde die bisherige Form der Vorbereitung auf das Seminar abgeschafft und in jedem Regierungsbezirk richtete man staatliche Präparandenschulen ein. Damit sollte eine einheitliche und straff organisierte, in jedem Fall aber bessere Ausbildung der Präparanden gewährleistet werden. Der Gesang spielte nach wie vor im Rahmen der Musikausbildung eine wichtige Rolle. Lehrinhalte, Lehrmittel und Unterrichtsstunden wurden genau festgelegt. Dieser Präparandenausbildung folgte der Besuch des Seminars. Im Folgenden werden das Regulativ von 1809, die Normative von 1836, 1857 und 1866 sowie die Lehrordnung von 1898 vorgestellt und ihre Auswirkungen auf den Gesangunterricht beschrieben. Informiert wird weiter über die Gründung der einzelnen Seminare in den bayerischen Regierungsbezirken, über die Unterrichtswirklichkeit und das Leben in den engen Grenzen des Seminars, über Prüfungen, über Werdegang und soziale Stellung der dort unterrichtenden Gesanglehrer sowie über die soziale Herkunft der Seminaristen. Lehrerbildungsstätten waren Kulturträger, die sich u. a. durch Konzerte immer wieder der Öffentlichkeit präsentierten. Konzertprogramme geben näheren Aufschluss über die aufgeführte Gesangsliteratur, die, mehr weltlich oder mehr kirchlich geprägt, Rückschlüsse auf die Leitung des jeweiligen Hauses zulässt. In drei Exkursen wird über die Rolle der Gedächtnisübungen, über israelitische Schüler in Seminar und Präparandenschule sowie über die Ausbildung der Lehrerinnen informiert. Ein weiterer Bereich ist dem Cäcilianismus gewidmet, einer Reformbewegung, die sich die Revitalisierung der alten Kirchenmusik zum Ziel gesetzt hatte. Da diese Reform ihren Schwerpunkt in Bayern und zudem im 19. Jahrhundert hat, kann hier exemplarisch der Einfluss der Kirche auf die Lehrerbildung aufgezeigt werden. Die Seminaristen wurden bereits in ihrer Ausbildungszeit mit der von den Cäcilianern verfochtenen Musik bekannt gemacht. Oft waren Seminarlehrer in den cäcilianischen Organisationen als Funktionäre tätig oder sie versuchten sich in ihren Kompositionen dem gewünschten musikalischen Stilideal anzupassen. Oftmals wurden diese Werke dann in den Lehrerbildungsstätten gespielt und gesungen. Durch all dies sollten die Seminaristen - oft schon in ihrer Präparandenzeit - in die spätere Rolle von Multiplikatoren dieser kirchenmusikalischen Richtung gedrängt werden. Einem Ausblick ins 20. Jahrhundert schließt sich eine umfassende Dokumentation an: In Lebensläufen werden alle in Seminar, Präparandenschule und Lehrerbildungsanstalt tätigen Gesanglehrer vorgestellt. Es folgen eine Aufstellung der in den verschiedenen Anstalten verwendeten Unterrichtsliteratur sowie Kurzbiographien zu den Komponisten, deren Werke gesungen und öffentlich präsentiert wurden. Jede bayerische Lehrerbildungsstätte wird im Folgenden in einzelnen Rubriken vorgestellt: Quellen und Quellenlage, Gründung und Schulgeschichte, Lehrer und Unterrichtsverteilung, Lehrnachweis und Unterrichtsliteratur. Dazu kommen ein Überblick über die Musikproduktionen und Hinweise zum Fach Religion, wenn sich Auswirkungen auf den Gesangunterricht ergeben. Aktenmaterial wird dann ausführlicher zitiert, wenn - wie z. B. bei Visitationsberichten - gesangsmethodische Probleme oder Vorzüge einzelner Lehrer aufgegriffen werden. Eine Zeittafel rundet die Arbeit ab. Ziel der Arbeit ist es, ein bislang nur marginal erforschtes Einzelfach in der Lehrerbildung umfassend darzustellen und z. T. mit der Ausbildungssituation in anderen deutschen Staaten zu vergleichen. Die bislang z. B. über den Orgelunterricht oder die Rolle der Bläsermusik erschienenen Arbeiten beschreiben meist nur die musikalische Praxis in einem einzelnen Seminar, was lediglich ein Teilchen im großen musikalischen Puzzle der bayerischen Lehrerbildungsstätten sein kann. In fast zwei Jahrzehnten wurden für die vorliegende Untersuchung sämtliche verfügbaren Akten in Staats-, Stadt-, Kirchen- oder privaten Archiven eingesehen. Bei gleicher Verfügbarkeit und Wertigkeit der Quellen wurden solche aus dem schwäbischen Raum besonders berücksichtigt. Neues wird zum Thema "Gesang in der Lehrerbildung im Bayern des 19. Jahrhunderts" in Zukunft kaum zu finden sein. Vor allem die umfangreiche Dokumentation dürfte für Wissenschaftler, die im Rahmen der historischen Musikpädagogik forschen, von Nutzen sein: Sie stellt für das 19. Jahrhundert eine wesentliche Arbeitshilfe dar, da durch die Auflistung der Archivquellen die erfolglose Recherche an falschen Orten nahezu ausgeschlossen werden kann. (Orig.).

This thesis, a scientific contribution in the field of historic music pedagogy, deals with the different functions of voice training and describes the role of singing in directives and curricula set by the government. After an introduction, a presentation of the thesis topic and its structure, a brief account of the state-run teacher training in Bavaria prior to the period featured in the thesis is given. The following chapter is dedicated to the vocal education of the so-called "Präparanden" prior to 1866. "Päparanden" were teenage trainee teachers preparing themselves for entry into teacher training college. Responsible for this initial training before 1866, the year in which the state-run trainee teacher colleges were established, were clergymen and teachers, or alternatively students were educated in private institutions or by private teachers. Prerequisites were musical knowledge, pedagogic talent and a Christian mind. To save on costs, classes were often given in one's hometown. In singing lessons the focus was on vocal repertoire used during religious services. However, there was no consistent implementation of the course contents, the quality of the teaching was not supervised, the students' attendance was often poor and frequently they were misused as labourers in the household of their teacher. As a result the qualification of the prospective students was regularly described as unsatisfactory during auditions for teacher training colleges. Often trainee teachers could only rely on the knowledge obtained during their elementary education. Hence, the following chapter describes the reality in the schools. During the first decades of the 19th century the village's school buildings, if they existed at all, were often in an appalling condition. Many times the teachers held classes in private rooms and could count themselves lucky if the compulsory school attendance was obeyed and the tuition fees paid. If any singing took place, it was of church hymns, which were learnt by rote. Hardly any value was put on vocal technique. The life of the elementary school teacher is described in the subsequent chapter: he was on the lowest rung of the social ladder, was despised and could literally not survive without side jobs including various duties at the church, such as organist and/or choirmaster or - in the worst case - as sexton. In 1866, the previous form of preparation for the teacher training college was abolished and in each administrative district a state-run teacher training school, a so-called "Präparandenschule", was introduced. Thereby a uniform and strictly organised education of the trainee teachers was guaranteed. Thereafter, vocal training started to play an important role in musical training. Following this education was the entry into the actual teacher training college. In the next chapter, the regulative of 1809, the normatives of 1836, 1857 and 1866 as well as the curriculum ("Lehrordnung") of 1898 are introduced and their influence on vocal training described. Further illustrated are the teaching reality and the life within the boundaries of the college, exams, career and social standing of the vocal teachers in charge as well the social background of the students. Teacher training institutions were bearers of culture - frequently witnessed in public through concerts. Concert programmes shed light on the vocal repertoire performed. Three excursions discuss the role of training of the memory, Israelite students at the teacher training college as well as education of female teachers. One chapter is dedicated to the Cecilianism, a reform movement aiming at the revival of early church music. Since this reform was centred in Bavaria, the influence of the church on teacher training can be demonstrated in an exemplary manner. Already during their education the students were introduced to the music advocated by Cecilianism and often their teachers were active as functionaries in the Cecilianist organisation. The prospective teachers were expected to take on the role of disciples of this form of sacred music. A forward into the 20th century is followed by a comprehensive documentation. In brief curricula vitae all vocal teachers active in seminars and teacher training schools are introduced, followed by a list of the educational repertoire used in the various institutions and short biographies of the composers, whose compositions were sung and performed publicly. Each Bavarian teaching institution is introduced individually covering sources, foundation and school history, teachers and allocation of classes, course content and teaching repertoire. This is rounded off with a survey of musical productions, briefly touching on religious education if affecting the vocal training at the respective institute, as well as available material from files such as inspection reports or methodical tips. A chronological table rounds off the thesis. (Orig.).
Erfasst vonDeutsche Nationalbibliothek, Frankfurt am Main
Update2015/3
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