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Autor/inn/enNeumann, Katrin; Euler, Harald A.
TitelKann ein Sprachstandsscreening zwischen dem Bedarf für Sprachförderung und für Sprachtherapie trennen?
QuelleAus: Redder, Angelika (Hrsg.); Weinert, Sabine (Hrsg.): Sprachförderung und Sprachdiagnostik. Interdisziplinäre Perspektiven. 1. Münster; New York; München; Berlin: Waxmann (2013) S. 174-198
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BeigabenLiteraturangaben; Tabellen
ZusatzinformationForschungsdaten, Studiendetails und Erhebungsinstrumente
Sprachedeutsch
Dokumenttyponline; gedruckt; Sammelwerksbeitrag
ISBN978-3-8309-2911-6
SchlagwörterBildungsforschung; Empirische Untersuchung; Diagnostik; Screening-Verfahren; Kind; Elementarbereich; Sprachförderung; Sprachschwierigkeit; Sprachstandsforschung; Deutschland
Abstract1. Hintergrund: Sprachscreenings für Kinder im Kindergartenalter wurden in mehreren Bundesländern implementiert. Sprachentwicklungsbedingte Auffälligkeiten bei diesen Kindern unterscheiden sich in förderbedürftige Sprachauffälligkeiten, z. B. bei umgebungsbedingter Anregungsarmut, und in therapiebedürftige Sprachentwicklungsstörungen (SES). Daher sollten Sprachscreenings zwischen (a) normaler Sprachentwicklung, (b) förderbedürftigen Sprachauffälligkeiten und (c) Sprachentwicklungsstörungen differenzieren. Bei einigen Kindern finden sich zudem auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen (AVWS), die oft mit Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung einhergehen. Es wäre daher wünschenswert, AVWS während der ohnehin stattfindenden Sprachscreenings mit zu identifizieren. 2. Zielsetzung: Ziel des Projekts war die Optimierung der pathophysiologisch basierten Differenzierungskriterien des hessischen Kindersprachscreenings KiSS bei Kindern mit (a) normaler, (b) förderbedürftiger oder (c) therapiebedürftiger gravierend gestörter Sprachentwicklung an monolingual deutschen Kindern sowie die Bestimmung des Anteils an Kindern mit einer gestörten auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsleistung innerhalb der drei Gruppen. Dafür war zunächst ein psychoakustischer Test der auditiven Verarbeitung und Wahrnehmung bei Kindern im Alter von 4 und 5 Jahren mit sprachfreien und sprachhaltigen Stimuli zu entwickeln, zu validieren und zu normieren. Weiterhin sollten die elektrophysiologischen Korrelate der Verarbeitung derselben Stimuli wie in den psychoakustischen Tests durch die Messung ereigniskorrelierter Potentiale (ERPs), speziell der mismatch negativity (MMN), gewonnen werden, um einen Vergleich mit den behavioralen Antworten im psychoakustischen Test zu ermöglichen und physiologisch basierte Differenzierungskriterien zwischen den o.g. Gruppen zu liefern. Schließlich sollten die Cutoff-Kriterien des KiSS überprüft werden, um seine Validität als Sprachscreening bezüglich der o.g. Trichotomisierung zu bestimmen. 3. Methode: Von 612 mit dem revidierten Kindersprachscreening KiSS.2 getesteten Kindern nahmen 189 Kinder an den weiterführenden Untersuchungen teil, mit einer Batterie von Sprachtests, Hörprüfungen, Tests der auditiven Verarbeitung und Wahrnehmung und der Intelligenz, sowie phoniatrisch-pädaudiologischen Untersuchungen. 189 dieser Kinder wurden weitergehend untersucht: (a) Ein psychoakustisches Verfahren zur Erfassung der auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungs- und Sprachverarbeitungsleitungen wurde als elektronisches Memory-Spiel entwickelt. Mit einem adaptiven Drei-Alternativen-Zwangswahl-Paradigma wurden in drei Untertests die Diskriminationsschwellen für nichtsprachliche Stimuli (Tondauer, Tonintensität und Frequenz) bestimmt und in zwei Untertests die Diskriminationsfähigkeit für sprachliche Stimuli (Artikulationsort von Konsonanten und Stimmhaftigkeit/Stimmlosigkeit). Der Test wurde an 158 Kindern (Alter 4;0 4;5 Jahre) validiert und an einer zweiten Stichprobe (293 Kinder) für vier Altersklassen (4;0 5;11 Jahre) normiert. (b) 71 Kinder aus drei Gruppen (sprachlich regelrecht entwickelte; förderbedürftige; sprachentwicklungsgestörte) erhielten zusätzlich MMN-Messungen mit denselben Stimuli. (c) Das 2009 revidierte Kindersprachscreening KiSS.2 wurde bezüglich seiner Cutoff-Kriterien zwischen (a) normaler Sprachentwicklung, (b) Sprachförderbedarf und (c) medizinischem Abklärungsbedarf bei SES-Verdacht an allen 189 Kindern der o.g. Stichprobe überprüft. 4. Ergebnis: Der psychoakustische Test misst, mit Einschränkungen bei der Frequenzdifferenzierung bei Vierjährigen, valide die o.g. genannten Diskriminations¬leistungen. Er korreliert in vier von fünf Untertests signifikant mit auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsleistungen und Sprachfähigkeiten von Kindern ab 4 Jahre und differenziert zwischen sprachauffälligen und sprachunauffälligen Kindern sowie zwischen Kindern mit normaler und gestörter auditiver Verarbeitung und Wahrnehmung. Bei den 158 Kindern im Alter von 4;0 bis 4;5 Jahren lag der Anteil der test- verifizierten AVWS-Kindern bei 1,7% unter sprachlich regelrecht entwickelten Kindern, bei 11 % unter sprachförderbedürftigen und bei 23% unter sprachentwicklungsgestörten Kindern. Die MMN-Messungen ergaben keine signifikanten Gruppenunterschiede. Dennoch konnten zwischenzeitlich die Cutoff-Kriterien des KiSS.2 verbessert werden und liefern nun sehr gute Gütekriterien. Eine sprachliche Auffälligkeit überhaupt wurde mit einer Sensitivität von 90% und einer Spezifität von 89 % identifiziert. Für die Auffindung einer Sprachentwicklungs¬störung lag die Sensitivität bei 100% (kein SES-Kind wurde durch das Screening übersehen) und die Spezifität bei 81%. Ein Sprachförderbedarf wurde mit einer Sensitivität von 24% und einer Spezifität von 96% festgestellt. Diese geringe Sensitivität ist ein kalkulierter Effekt, weil die meisten der sich als sprachförderbedürftig erweisenden Kinder durch den Algorithmus des KiSS.2 im Zweifelsfall einer medizinischen professionellen Abklärung zugeführt werden. 5. Schlussfolgerung: Der neu entwickelte psychoakustische Test (Bochumer Auditiver und Sprachdiskriminationstest [BASD-Test]) differenziert valide zwischen sprachauffälligen und sprachunauffälligen Kindern sowie zwischen Kindern mit normaler und gestörter auditiver Verarbeitung und Wahrnehmung. Mit Einschränkungen bei der Frequenzdifferenzierung bei Vierjährigen ist er der erste Test dieser Art im deutschsprachigen Raum für derart junge Altersklassen. Es wird empfohlen, ihn künftig in Sprachscreenings zu integrieren. Der Nachweis, dass AVWS mit dem Ausmaß von Sprachentwicklungsproblemen korreliert, ist von gesundheitspolitischem Interesse. Ihr sollte künftig in Förderprogrammen mehr Rechnung getragen werden. Mit dem KiSS.2 steht nunmehr ein Sprachscreening für das Kindergartenalter für den deutschen Sprachraum zur Verfügung, das im Gegensatz zu anderen Screeningverfahren eine Trichotomisierung (unauffällig - sprachförderbedürftig - medizinisch abklärungsbedürftig) mit hoher Validität zulässt. (Autor).
Erfasst vonDIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, Frankfurt am Main
Update2014/2
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