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AutorKnoll, Michael
TitelEuropa nicht Amerika. Zum Ursprung der Projektmethode in der Paedagogik 1702-1875.
QuelleIn: Pädagogische Rundschau, 45 (1991) 1, S. 41-58    Verfügbarkeit 
Sprachedeutsch
Dokumenttypgedruckt; Zeitschriftenaufsatz
ISSN0030-9273
SchlagwörterBildungsgeschichte; Projektunterricht; Unterrichtsorganisation; Unterrichtsmaterial; Projektstudium
AbstractDer Verfasser vertritt in diesem Aufsatz die These, dass die heute viel diskutierte Projektmethode als Unterrichtsmethode eine viel aeltere Tradition besitzt als ueblicherweise in der Eziehungswissenschaft ueberliefert wird. Sie ist nicht erst ein Produkt der amerikanischen Reformpaedagogik der Jahrhundertwende sondern sie hat eine Geschichte, die sich ueber drei Jahrhunderte, zwei Kulturen und zwei Kontinente erstreckt. Der Aufsatz entstand im Rahmen einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefoerderten und am IPN - Institut fuer die Paedagogik der Naturwissenschaften, Kiel - durchgefuehrten Untersuchung zur Geschichte der Projektmethode in den USA. Der Verfasser weist nach, dass der Begriff Projekt im Sinne einer Unterrichtsmethode zuerst an der Académie Royale d'Architecture in Paris im 18. Jahrhundert verwendet wurde. Jeder Student dort musste mehrmals waehrend des Studiums Bauvorhaben entwerfen, Konstruktionsplaene entwickeln, etwa einen Pavillon, eine Kapelle, ein Grabmal oder am Ende des Studiums sogar einen Arc de Triomphe oder ein Palais. Ein derartiges Vorhaben nannte man "projet". Ein derartiges Projekt war einerseits ein Instrument des Wettbewerbs und der Pruefung, Anlass fuer Kooperation und Diskussion innerhalb einer Gruppe von Studenten, die gemeinsam mit ihrem Lehrer, dem "patron", Loesungsmoeglichkeiten entwickelten und mit anderen Arbeitsgruppen um die beste Loesung konkurrierten. So wurde ein Stueck Berufsrealitaet der spaeteren Architekten vorweggenommen. Aehnliche Ausbildungsmethoden wurden im 19. Jahrhundert in Frankreich auch in die Ingenieurausbildung uebertragen. In Deutschland wurde das Wort Projekt als Unterrichtsmethode zum ersten Mal 1831 genannt, auch hier interessanterweise im Zusammenhang mit der Architektenausbildung und unter ausdruecklichem Bezug auf die Ausbildungsmethoden der Architekturakademie in Paris. Von Europa aus wurde dieser Projektbegriff in die Vereinigten Staaten uebernommen. Bereits im ersten Katalog des Massachusetts Institute of Technology wurde vom Begruender der Hochschule festgelegt, dass die Ingenieur- und Architekturstudenten Plaene und Projekte anzufertigen haetten, genau wie ihre franzoesischen und deutschen Studienkollegen. Auch an der Illinois Industrial University wurde etwa zur gleichen Zeit diese Ausbildungsmethode uebernommen. Dort entwarfen die Studenten nicht nur, sondern sie stellten auch her, z. B. Drehbaenke und Bohrmaschinen, die sogar vermarktet wurden und Einnahmen brachten. Derartige Methoden praktischen Lernens wurden somit zunaechst an Hochschulen angewandt und dann nach 1879 auch auf amerikanische Schulen uebertragen, um das Schulwesen zu reformieren.
Erfasst vonSekretariat der Kultusministerkonferenz, Bonn
Update1998_(CD); 2001/1
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