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Autor: Gauger, Hans-Martin
Titel: Auszug der Wissenschaften aus dem Deutschen?
Quelle: In: Merkur, 45 (1991) 7, S. 583-594     Pfeil auf den Link... Verfügbarkeit 
Sprache: deutsch
Dokumenttyp: gedruckt; Zeitschriftenaufsatz
ISSN: 0026-0096
Schlagwörter: Deutsch als Fremdsprache; Sprachforschung; Wissenschaftssprache
Abstract: Hans Martin Gauger, Professor fuer romanische Sprachwissenschaften an der Universitaet Freiburg, reflektiert in diesem Aufsatz ueber die Verwendung nationaler Sprachen in den Wissenschaften sowie ueber die zunehmende sprachliche Anglisierung der Wissenschaften. Er bezieht die Arbeiten anderer deutscher Spachwissenschaftler zu diesem Thema ein. Die zunehmende Anglisierung der Wissenschaften sei ein Problem fuer die deutsche Sprache, die ihr Schicksal in dieser Hinsicht mit dem Franzoesischen, Italienischen, Russischen und so weiter teile. Es ergebe sich allerdings auch fuer das Englische ein Problem daraus, eben weil das in den Wissenschaftsdisziplinen benutzte Englisch weiterhin im Sinne eines "approximate English" erscheine, also eines nur annaehernd korrekten Englisch. Gauger unterscheidet Wissenschaften, in denen der Prozess der Anglisierung bereits soweit fortgeschritten ist, dass das Englische als einziges Kommunikationsmedium verwendet wird, und zwar nicht nur als Sprache auf internationalen Tagungen und in dafuer bestimmten Kongresspapieren sondern auch auf nationaler Ebene in Zeitschriftenbeitraegen. Zu diesen "anglophonen Wissenschaften" rechnet er die Naturwissenschaften. Allerdings ist die Anglisierung keineswegs perfekt, denn es bleibt die Lehre, es bleibt auch die Wissenschaftsberichterstattung in den Medien auf nationaler Ebene. In den Geisteswissenschaften ist die Anglisierung nicht so ausgepraegt. Aber insgesamt bezeichnet Gauger doch die "Lautlosigkeit dieses Rueckzugs des Deutschen aus den Wissenschaften" als erstaunlich. Er moechte mit seinem Aufsatz fuer dieses Thema sensibilisieren, auch wenn er die Entwicklung fuer nicht umkehrbar haelt. Die Argumente, die fuer die Verwendung der jeweiligen Muttersprache gerade in den Geisteswissenschaften sprechen, weist er zwar nicht von der Hand. Aber er macht doch darauf aufmerksam, dass sprachliche Vielfalt zu erheblicher Einschraenkung des Kommunikationsradiusfuehre. Natuerlich waere es eine Verarmung der Sprache, wenn sich die Wissenschaftler voellig aus ihr zurueckzoegen. Aber eben darum gehe es nicht. Es gehe lediglich um die Etablierung einer internationalen Verkehrssprache zum Zweck der Kommunikation der Wissenschaftler untereinander. Eine Verarmung des Deutschen scheint ihm keine reale Gefahr zu sein. Bestimmte wissenschaftliche Ergebnisse sind allerdings auch nicht an eine bestimmte Sprache gebunden, etwa an das Deutsche. Inhalte wissenschaftlichen Redens muessen abloesbar sein von ihrer jeweiligen Formulierung innerhalb einer bestimmten Sprache. Die Wissenschaft, so sagt Gauger, "ist der Tendenz nach die partielle Ueberwindung der fundamentalen Mehrsprachigkeit des Menschen". Und weiter: "Sie ist in unserer babelischen Welt ein antibabelisches Element. Dies ist das Englische - ganz unabhaengig von den Wissenschaften - auch."
Erfasst von: Sekretariat der Kultusministerkonferenz, Bonn
Update: 1998_(CD); 2001/1
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