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Autoren: Bleek, Wilhelm; Mertens, Lothar
Titel: Verborgene Quellen in der Humboldt-Universitaet. Geheimgehaltene DDR- Dissertationen.
Quelle: In: Deutschland-Archiv, 25 (1992) 11, S. 1181-1190
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Sprache: deutsch
Dokumenttyp: gedruckt; Zeitschriftenaufsatz
ISSN: 0012-1428
Schlagwörter: Hochschulforschung; Wissenschaftsgeschichte; Wissenschaftsfreiheit; Habilitation; Promotion; Deutschland-DDR
Abstract: 8854-0193 Prof. Dr. Wilhelm Bleek und Dr. Lothar Mertens, beide Universitaet Bochum, berichten hier aus ihrem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefoerderten Forschungsprojekt ueber geheimgehaltene Dissertationen in der DDR. Sie haben in diesem Zusammenhang zunaechst die vertraulichen Dienstkataloge der Jahre 1975 bis 1988 in der Hochschulschriftenstelle der Humboldt-Universitaet zu Berlin ausgewertet. Dabei zeigte der Vergleich mit den offiziellen Verzeichnissen, dass ueber ein Sechstel aller in diesen 14 Jahren an der Humboldt-Universitaet verfassten Dissertationen der Geheimhaltung unterlagen. Offziell wurden 7.894 Dissertationen verzeichnet, denen aber 1.664 Dissertationen gegenueber standen, die nicht offiziell angezeigt wurden. In der ehemaligen DDR entsprachen Dissertationen den Doktorarbeiten ("Dissertation A") und Habilitationsarbeiten ("Dissertation B"). Die Praxis der Geheimhaltung von wissenschaftlichen Arbeiten im allgemeinen und Dissertationen im besonderen hat in der DDR, wie Bleek und Mertens ausfuehren, schon frueh eingesetzt. Anordnungen des Ministeriums fuer Hoch- und Fachschulwesen verpflichteten die Universitaeten gesetzlich, Hochschulschriften und Dissertationen mit Dienstgeheimnissen zu sekretieren und besonders zu archivieren. Die Geheimhaltungsklassifizierung erfolgte in sieben Stufen von "nur in der DDR verleihbar" bis "geheime Verschlusssache". Diese Arbeiten waren damit weitgehend der Forschung entzogen. Gehoerten sie einer niedrigen Geheimhaltungsstufe an, wurden sie in einem Sondermagazin unter Verschluss gehalten, - in der Humboldt-Universitaet im "Sonderschrank 11", der sich ueber ein ganzes Stockwerk erstreckte. Die Dissertationen mit den drei hoechsten Geheimhaltungs- Klassifizierungsstufen durften dagegen nur in der Verschlusssachen-Dienststelle der jeweiligen Sektion aufbewahrt werden. Welche Dissertationen wurden nun als geheimhaltungsbeduerftig eingestuft? Bleek und Mertens haben dazu Angaben ueber Autoren, Themen, promovierende Fakultaeten und Sektionen ebenso wie die Geheimhaltungsgrade mit einem Statistikprogramm empirisch ausgewertet. Sie stellten fest, dass offensichtlich die Forschungsergebnisse von Dissertationen in den Naturwissenschaften, den Agrar- und Biowissenschaften fuer geheimhaltungsbeduerftiger eingeschaetzt wurden als die Dissertationen in den Gesellschaftswissenschaften. So waren fast die Haelfte aller in der Gesellschaftswissenschaftlichen Fakultaet sekretierten Arbeiten der untersten Geheimhaltungsstufe zugeordnet, waehrend bei den anderen genannten Fakultaeten die meisten Disserationen mit Geheimhaltungsvermerk den hoeheren Geheimhaltungsstufen unterlagen. Auch medizinische Dissertationen wurden der Oeffentlichkeit vorenthalten, sofern diese Arbeiten gesundheitliche und psychische Missstaende widerspiegelten (z. B. eine Untersuchung zu Bleikonzentrationen bei Krippenkindern). Vor neugierigen Blicken geschuetzt wurden gleichfalls Dissertationen ueber die Bundesrepublik Deutschland, besondern wenn der Autor von dort gefluechtet war, wie im Falle des DDR-Spions Hansjoachim Tiedtge, der 1988 mit einer Arbeit ueber den Verfassungsschutz in der Bundesrepublik an der Humboldt-Universitaet promovierte. Die frueher in der DDR geheimgehaltenen Dissertationen werden jetzt nach und nach in die Universitaetsbibliotheken und die oeffentlichen Kataloge eingearbeitet. Bleek und Mertens machen darauf aufmerksam, dass sich hier ein immenses Feld zur Erforschung der Wissenschaftspolitik der DDR eroeffnet.
Erfasst von: Sekretariat der Kultusministerkonferenz, Bonn
Update: 1998_(CD); 2001/1
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